Die Angst vor einer Ernährungsumstellung

Seit über 6 Monaten ernähre ich mich nun nach dem Autoimmunprotokoll. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich das erste Mal über AIP las. Einige Wochen zuvor war bei mir meine zweite Autoimmunerkrankung (beides Hauterkrankungen) diagnostiziert wurden und nun fanden sich auch noch Hautveränderungen an anderen, bisher nicht betroffenen Stellen meines Körpers. Ich war verzweifelt. Die Ärzte sagten mir, sie könnten mir nur mit Autoimmunsuppressiva helfen.

Als ich mich zu Hause diesbezüglich belas war ich schockiert, denn Autoimmunsuppresiva sind nun wirklich keine Kleinigkeit und haben jede Menge Nebenwirkungen. Sie sollten deshalb nur für eine kurze Zeit genommen werden, denn sie erhöhen unter anderem das Risiko für Krebs. Doch auch die anderen Nebenwirkungen sind keinesfalls ohne. Besonders Angst hatte ich vor einer Verstärkung meiner Magen-Darm-Beschwerden, die mir mein Leben aufgrund meines Reizdarmsyndroms sowieso bereits stark erschwerten. Ich hatte sie mit Hilfe von Medikamenten, Probiotika und Glutamin inzwischen halbwegs in den Griff bekommen und wollte keine erneute Verschlechterung riskieren. Nicht nur, weil ich mich endlich wieder gesund fühlen wollte, sondern auch, weil ich mir wünschte schwanger werden zu können, was aufgrund meiner Medikamente nicht möglich war. Ich hoffte also, dass sich mein Zustand so stark verbessern würde, dass ich meine Medikamente nach über 4 Jahren endlich absetzten könnte. Hinzu kam, dass am Ende meines Studiums eine sehr stressige Ausbildungszeit folgt, in der man sich beweisen muss. Aufgrund meiner gesundheitlichen Problemen bezweifelte ich seit Jahren, ob ich dazu in der Lage sein würde. Die Einnahme von Autoimmunsuppresiva schien meine Aussichten auf Gesundheit nicht wirklich zu erhöhen, denn nicht bloß, dass die Nebenwirkungen meinen Gesamtzustand verschlechtern könnten, nein, zusätzlich las ich in zahlreichen Foren, dass die Beschwerden nach Absetzen der Autoimmunsuppresiva meist zurückkamen. Ich brauchte also eine Alternative und durchsuchte wie wild das Internet. Es musste doch irgendeine andere Möglichkeit geben, schließlich bin ich erst 26 und möchte mein Leben endlich wieder in vollen Zügen genießen. Immer wieder traf ich auf das Thema Ernährung, aber die Aussagen verschiedener Menschen widersprachen sich und es gab jeweils keine Belege dafür, dass die vorgeschlagenen Ernährungsumstellungen helfen würden.

Ganz verzweifelt erzählte ich meinem Freund beim Lebensmitteleinkauf, dass ich mir unsicher sei, was ich überhaupt noch kaufen und essen solle. Mein Freund empfahl mir, mich über Paleo zu belesen, welches er aus Sportlerforen und Zölliakie-Foren kannte (er verträgt kein Gluten). Zu Hause setzte ich mich an den Rechner und belas mich zum Thema Paleo. Zunächst war ich skeptisch, schließlich wird Paleo als Steinzeit-Diät beworben. Sollten die Steinzeitbewohner wirklich gesünder gewesen sein als wir? Davon war ich nicht überzeugt. Doch dann kam ich auf die Idee Autoimmunerkankung und Paleo gemeinsam zu googeln und traf auf das Autoimmunprotokoll. Von da aus fand ich zahlreiche Blogs, auf denen meist junge Frauen von ihrer Leidensgeschichte berichteten und ihre Heilung mit Hilfe des Autoimmunprotokolls beschrieben. Ich war fasziniert und mir kamen die Tränen, wenn ich von den gesundheitlichen Entwicklungen der Bloggerinnen las. Ich wusste, das wollte ich auch.  Diese Entscheidung hatte ich nach wenigen Stunden Internetrecherche gefällt.

Natürlich war die Liste der verbotenen Lebensmittel zunächst überwältigend. In der Vergangenheit wurde mir aufgrund meines Reizdarmsyndroms empfohlen jeweils für eine gewisse Zeit auf Laktose, Fructose und Gluten zu verzichten. Jedes Mal fiel es mir sehr schwer. Und obwohl ich eine Erlösung von meinen gesundheitlichen Problemen wollte, konnte ich mir dennoch nicht so richtig wünschen, dass eine Intoleranz die Lösung dafür wäre. Zu sehr hatte ich Angst mich ernährungstechnisch einschränken zu müssen. Da das Weglassen bestimmter Lebensmittel bei mir jedoch keinerlei Beschwerdeminderung brachte, war ich überzeugt, keine Intoleranz zu haben, schließlich war mein Reizdarmsyndrom nach einem 3-wöchigen Magen-Darm-Infekt gekommen. Eine Intoleranz machte deshalb für mich sowieso keinen Sinn. Erst nachdem ich die Erklärungen für die Nahrungsmitteleinschränkungen bei AIP gelesen hatte – unter anderem auf der Seite der Paleo Mom – machte es für mich Sinn, dass mein Reizdarmsyndrom mit meiner Ernährung zusammenhing. Ja, ich weiß, für manchen mag es verrückt klingen, dass ich da vorher keine Verbindung hergestellt hatte, aber tatsächlich sind nur die wenigsten Ärzte der Meinung, dass es da einen Zusammenhang gibt. So war ich unter anderem zur Diagnostik in einem Krankenhaus, in dem aufgrund der Ausschlussdiagnostik die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt wurde. Die Oberärztin dort sagte mir daraufhin, dass wir zwar ein paar Lebensmittelintoleranztests machen könnten, dass sie aber nicht an Lebensmittelintoleranzen glauben würde. Und auch aus meiner Erfahrung reagierte ich nicht speziell auf bestimmte Lebensmittel. Wenn ich z.B. einmal besonders schlimme Beschwerden nach Nudeln mit Tomatensauce hatte, dann ließ ich dies eine Weile weg. Wenn ich es das nächste Mal aß, hatte ich meist keine Beschwerden, sodass es für mich einfach nicht so schien, als ob es einem Zusammenhang zum Essen gäbe.

Nun endlich verstand ich jedoch die Zusammenhänge und war so verzweifelt aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme, dass ich bereit war, mich an die Vorgaben des Autoimmunprotokolls zu halten. Ich sagte mir, dass die Ernährung schließlich nur ein kleiner Teil des Lebens ist und dass eine Verbesserung meiner insgesamten Lebensqualität es mir wert wäre, mich in diesem Bereich einzuschränken. Außerdem sollte man ja nur mindestens 30 Tage so strikt essen und danach konnte man versuchen, wieder neue Lebensmittel einzuführen. Das war er mit wert. Dennoch zweifelte ich, wie ich damit zurechtkommen würde, denn ich liebte Süßigkeiten, Essengehen, Brot etc. und all dies sollte nun der Vergangenheit angehören. Ich fragte mich, ob ich, die vielleicht 2 x die Woche kochte und ansonsten meist Brot oder auswärts aß, dass alles packen würde. Ich fragte mich, ob ich auf Süßigkeiten verzichten könnte, denn ich aß eigentlich täglich Süßkram und bekam ansonsten Entzugserscheinungen. Aber ich war bereit, mich kurzerhand in das AIP-Abenteuer zu stürzen, denn ich wusste, so konnte es gesundheitlich nicht weitergehen.

Diesen AIP-Moment beschreiben auch andere BloggerInnen. Es ist der Moment, in dem die Verzweiflung aufgrund der gesundheitlichen Probleme so groß ist, dass man bereit ist, fast alles zu tun, damit es einem wieder besser geht. Es ist der Moment, in dem man erkennt, dass die Schulmedizin einen nicht wieder gesund macht, sondern nur Symptome unterdrückt. Es ist der Moment, in dem man möchte, dass es gesundheitlich endlich wieder bergauf geht. Und es ist der Moment, in dem einem erstmals eine Alternative angeboten wird, die zwar mit Arbeit verbunden ist, die aber Sinn ergibt und bei der man von anderen Betroffenen die Bestätigung erhält, dass es funktioniert.

Am 11. August stürzte ich mich also Hals-über-Kopf ins AIP Abenteuer. Ich hatte das Gefühl, keine Zeit mehr verlieren zu dürfen und entschied mich deshalb zu keinem langsamen Übergang, sondern von 0 auf 100 zu gehen. Ich verschenkte fast alle nicht AIP-konformen Lebensmittel, die ich gerade erst 2 Tage vorher gekauft hatte und füllte meine Schränke nun mit AIP-konformen Lebensmitteln. Es war eine große Umstellung für mich. Die letzten 12 Jahre hatte ich weitestgehend als Pescetarierin gelebt, sprich, ich aß kein Fleisch. Bestimmte bei AIP empfohlene Fleischsorten hatte ich wahrscheinlich noch nie in meinem Leben gegessen, z.B. Lamm oder Wild, denn schon als Kind war ich sehr mäklig was Fleisch betraf. Aber das war mir egal, ich kaufte mir ab dem ersten Tag AIP Fleisch und ab der 2. Woche sogar Innereien. Ich hatte aufgrund der Massentierhaltung aufgehört Fleisch zu essen. Glücklicherweise legen Paleoaner sehr viel wert auf vernünftige Tierhaltung, sodass der Fleischkonsum moralisch für mich kein Problem darstellte, wenngleich ich die Menge an zu verzehrendem Fleisch bei AIP grenzwertig finde. Aber für meine Gesundheit nehme ich auch das in Kauf. Erstaunlicherweise stellte ich fest, dass mir die meisten Fleischsorten recht gut schmecken, sodass deren Konsum keine größeren Probleme für mich darstellte. Und auch sonst lief die Ernährungsumstellungen sehr gut. Ich hatte nur sehr wenige Momente, in denen ich irgendetwas vermisste. Ich hatte keinen Heißhunger auf Süßigkeiten, ich vermisste weder Brot noch Nudeln noch Pizza. Stattdessen lernte ich jede Menge neue Lebensmittel kennen. Vorher kannte ich weder Pastinaken noch Mangold noch die Vielfalt an verschiedenen Kürbissen.

Probleme gab es dafür an für mich ganz unerwarteten Stellen. So stellte mich der zeitliche Aufwand in der Küche vor die größte Herausforderung, denn ich koche nicht besonders gerne. Und auch die Kosten einer AIP-konformen Ernährung sind nicht zu unterschätzen. Hinzu kommt die Menge an Nahrung die man zu sich nehmen muss, um genügend Kalorien aufzunehmen. Häufig hatte ich beim Essen keinen Appetit mehr, aber immer noch Hunger. Häufig verbrachte ich nicht nur Stunden beim Einkaufen und Kochen, sondern auch beim Essen selber. Während in unserer Gesellschaft die Angst vor zu viel Kalorien verbreitet ist, begann ich nun mir sorgen zu machen, ob ich abnehmen würde und ob ich genügend Kalorien zu mir nehmen könnte. Außerdem hatte ich mich noch nie mit dem Thema Ernährung beschäftigt, da ich immer recht schlank gewesen war. So musste ich erst lernen, in welchen Lebensmitteln wie viele Kohlenhydrate, Eiweiß, Kalorien etc. enthalten ist.

Das stellte mich vor allem in der ersten Woche vor eine echte Herausforderung. Vermutlich brachte ich meinen Körper in Ketose oder überforderte ihn einfach mit der viel zu geringen Zufuhr an Kohlenhydraten, da ich zunächst keine Ahnung hatte, was ich in welchen Kombinationen essen sollte. Stattdessen aß ich nach Lust und Laune bis ich Migräne bekam und nicht mehr Denken konnte. Glücklicherweise merkte mein Freund recht schnell, wo das Problem lag und gab mir ein paar Bananen zu essen, die meinen Zustand schnell verbesserten. Danach beschäftigte ich mich mit dem Thema der Zusammenstellung der Nahrungsmittel und hatte seit dem keinerlei Probleme mehr. Sogar die häufig beschriebene Entgiftungsphase blieb mir erspart. Stattdessen konnte ich bereits am 6. Tag von AIP meine Medikamente für mein Reizdarmsyndrom weglassen. Nach ca. 3 Wochen AIP hatte ich erstmals seit über 5 Jahren wieder normalen Stuhlgang (keinen Durchfall mehr), was bei mir wirklich einen Sturm der Begeisterung auslöste. Von diesem Punkt an war klar, dass AIP der richtige Weg für mich ist und das ich nie mehr darauf verzichten möchte.

Dennoch gibt es natürlich Momente, in denen ich mir wünschte, nicht so viel Zeit in der Küche verbringen zu müssen, nicht so viel Geld für Essen ausgeben zu müssen, nicht so eingeschränkt beim Verreisen und generell Unterwegssein zu sein. Denn mit AIP muss man immer planen, denn unterwegs kann man sich fast nichts kaufen, was den schnellen Hunger stillen kann. Und trotzdem möchte ich jedem Mut machen, der erwägt nach dem Autoimmunprotokoll zu essen. Ja, ihr seid nicht alleine mit euren Ängsten, dass ihr bestimmte Lebensmittel vermissen werdet. Ja, ihr seid nicht allein mit der Frage, wie ihr so viel Zeit in der Küche mit eurer Arbeit kombinieren sollt. Alle AIPler kennen diese Gedanken. Auch AIPler hatten nicht alle die besten Voraussetzungen um diese Umstellung zu meistern. Denkt nur an mich: Süßigkeitensüchtige, kochmufflige Pescetarierin steigt auf AIP-Ernährung um. Wenn ich das schaffe, schafft ihr das auch 😉

Tatsächlich muss ich sagen, dass ich mich durch AIP auch von meiner letzten Sucht, den Süßigkeiten befreien konnte. Schon seit Jahren trinke ich aufgrund meines Reizdarmsyndroms keinen Kaffee und keinen Alkohol mehr, nur die Süßigkeiten waren mir als Sucht geblieben und ich bin kein Sucht-Fan, sodass es mich störte, dass ich wirklich hibbelig wurde, wenn ich nach dem Essen keine Süßigkeiten als Nachtisch bekam oder wenn die Geschäfte schon zu hatten und ich keinen Süßkram zu Hause hatte. An Weihnachten war einer dieser Momente, an denen ich befürchtete, Süßigkeiten zu vermissen. Und tatsächlich hatte ich 1 oder 2 Momente an denen ich darüber nachdachte. Und dann wurde mir klar, dass ich früher, als ich noch Süßigkeiten essen durfte, viel mehr Momente hatte, in denen ich gerne Süßigkeiten gegessen hätte, aber es mir innerlich verbot. Einerseits wegen den Kalorien, andererseits weil Süßigkeiten ungesund sind. Aber auch, weil ich manchmal schon so viel Süßkram gegessen hatte, dass ich wusste, wenn ich noch mehr davon esse, wird mir schlecht. Diese Momente kennen bestimmt die meisten von uns. Man isst die Schokoladentafel, bis sie alle ist, weil jeder Bissen süchtig macht. Eigentlich fühlt man sich nach Süßigkeiten nie ganz befriedigt, weil man schon vor dem letzten Bissen weiß, dass man gerne noch mehr hätte. Und all das fällt bei mir jetzt einfach weg. Ich glaube, dass dies durch die komplette Ernährungsumstellung der Fall ist. Denn mein Körper und Geist war so damit beschäftigt sich auf die neuen Lebensmittel einzustellen, dass alte Gewohnheiten einfach wegfielen. Deshalb glaube ich auch, dass eine komplette Umstellung einfacher ist als eine schrittweise, zumindest für mich. Denn in der Vergangenheit wenn ich nur einzelne Lebensmittel weglassen sollte, habe ich so stark nach Ersatzprodukten gesucht, von denen ich dann immer enttäuscht war, dass mir das Weglassen einer einzelnen Lebensmittelgruppen wesentlich schwerer fiel als die komplette Umstellung zu AIP.

Und der wirkliche Aha- und Überzeugungseffekt kommt, sobald die Symptome nachlassen. Ab diesem Punkt möchte man die Lebensqualität die man durch AIP gewonnen hat nicht mehr missen. Für mich gehört dazu, dass ich endlich keine Medikamente mehr nehmen muss, von denen ich weiß, dass sie langfristig nicht gut für meinen Körper sind. Dass ich weiß, dass AIP ein Weg zu langfristiger Heilung ist, während Medikamente nur als kurzfristige Symptomunterdrücker agieren. Die emotionale Gewissheit, dass ich nun schwanger werden kann, weil ich keine Medikamente mehr nehmen muss, die mein Baby gefährden könnten. Gerade das Thema Fertilität und Schwangerschaft ist bei vielen Autoimmunerkrankten ein heikles Thema. Die einen dürfen aufgrund von Medikamenten nicht schwanger werden, Andere bekommen ihre Menstruation nicht oder nur unregelmäßig und müssen deshalb an ihrer Fruchtbarkeit zweifeln (z.B. viele Frauen mit Hashimoto), andere haben so schlimme Symptome, dass an eine Schwangerschaft nicht zu denken ist. Endlich zu wissen, dass eine Schwangerschaft in meiner nahen Zukunft möglich ist und dass ich auf dem Weg der Heilung bin hat meine Stimmung so stark verbessert. Vorher musste ich mit Depressionen kämpfen, jetzt schaue ich endlich wieder positiv – statt angstvoll – in die Zukunft. Denn ich merke, wie viel besser es meinem Körper geht.

Warum erzähle ich das hier alles?

Weil mir klar ist, dass eine so extreme Ernährungsumstellung wie die zu AIP Angst macht. Weil ich euch Mut machen möchte, es zu wagen. Weil ich häufig in Betroffenen-Gruppen und Krankheitsforen merke, dass Leute zwar Interesse an AIP haben, aber letztendlich meine Vorschläge immer wieder in den Hinterkopf verschoben werden und stattdessen Heilsversprechen mit Hilfe bestimmter Pillen oder mit Hilfe von Akkunpunktur o.Ä. vorgezogen werden. Jedes Mal, wenn ein Betroffener eine Phase hat, in der es gesundheitlich etwas besser geht, wird gesagt: Ach, ich bleibe erstmal bei dem was ich mache. Mir geht es ja schon besser.

Ich verurteile diese Gedankengänge nicht, ich kenne sie selber. Gerade im Moment soll ich meine AIP-Ernährung noch weiter einschränken, nämlich auch hoch FODMAP-haltige Nahrungsmittel weglassen. Auch ich habe gerade wieder diese Ängste: Werde ich das schaffen? Oder fühle ich mich damit zu eingeschränkt? Bekomme ich schlechte Laune, weil ich dann nur noch so wenige leckere Sachen essen darf? Warum gerade ich? Reicht die Einschränkung durch AIP denn nicht? Das hilft doch so vielen, warum hilft es mir nicht ausreichend?

Doch dann denke ich mir, dass andere das auch schaffen, also wird es mir auch möglich sein. Außerdem lässt meine Hoffnung auf weitere Heilung mich auch auf die Ergebnisse dieser weiteren Ernährungsumstellung freuen. Und vielleicht geht es mir dann ja wie nach 6 Monaten AIP: Ich denke, die Zeit ist verflogen und ich könnte problemlos noch weitere 6 Monate strikt nach dem Autoimmunprotokoll essen, ohne mich vom Essen unbefriedigt zu fühlen.

Das Fazit dieses langen Beitrags?

Die Angst vor einer Ernährungsumstellung ist ganz normal. Wir kennen sie alle. Und es ist durchaus gerechtfertigt erst andere Wege einzuschlagen. Vielleicht hilft diese oder jene Pille ja, vielleicht hilft dir ja Akunpunktur, vielleicht ist der Wunderheiler ja wirklich einer. Auch ich probiere parallel zur AIP noch andere Sachen. Gerade die Behebung von Mikronährstoffmängeln, das Suchen nach Parasiten, die Zusammenarbeit mit einem ganzheitlichen Mediziner und das Ausprobieren von Techniken wie Akupunktur, Meditation, Yoga etc. werden bei AIP empfohlen. Aber es sind Sachen, die man parallel zur Ernährungsumstellung ausprobieren kann. Denn wer eine Autoimmunerkrankung hat, hat ein erhöhtes Risiko weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Eine einmal bestehende Autoimmunerkrankung geht nicht wieder weg und bestimmte Autoimmunerkrankungen zerstören Teile des Körpers, die nicht wieder repariert werden können (z.B. bei Hashimoto wird Schilddrüsengewebe zerstört). Wer diese Risiken mindern möchte, sollte umdenken. Mit AIP gibt es endlich eine von vielen Autoimmunerkrankten bereits erprobte Methode, die die Autoimmunprozesse im Körper anhalten kann. Es gibt endlich einen Weg um wieder ein gesundes Leben führen zu können. Es gibt die Möglichkeit, sein eigenes Leben und seine Gesundheit in die Hand zu nehmen, statt nur darauf zu hoffen, dass er nicht schlimmer wird. Was kann man verlieren wenn man AIP für 30 Tage ausprobiert? Ein wenig Geld und ein wenig Zeit. Doch was kann man gewinnen: Das Gefühl, dass der eigene Körper wieder geheilt werden kann. Das Gefühl, dass man seine Gesundheit selbst in der Hand hat. Einen Monat eine wirklich gesunde Ernährung ganz ohne Zucker, Zusatzstoffe etc. Und wenn man nach 30 Tagen keine Verbesserung gemerkt hat, kann man ja immer noch zurück switchen. Vielleicht merkt man ja dann den Unterschied.

Inzwischen weiß ich, dass wenn ich AIP oder Paleo früher gefunden hätte, ich die Entwicklung meiner zweiten Autoimmunerkrankung möglicherweise hätte verhindern können. Zudem hätte ich nicht jahrelang so stark unter meinem Reizdarmsyndrom leiden müssen und mir Sorgen über die Zukunft machen müssen. Doch mir hat niemand von Paleo erzählt, niemand hat gesagt: Probier es doch mal einen Monat, dann wirst du ja sehen was passiert. Was kannst du schon verlieren? Und deshalb möchte ich dieser jemand, der mir gefehlt hat, für euch sein. Denn im Nachhinein weiß ich, ich hätte mir Vieles ersparen können, hätte ich früher von AIP erfahren und es ausprobiert. Ihr habt bereits den Weg auf meinen Blog gefunden und ich möchte euch sagen: Ja, ich weiß, ihr habt Angst, aber probiert es aus. Es geht hier nur um 30 Tage, die ihr dem Ganzen eine Chance geben sollte. Ihr könnt nichts verlieren. Wenn es euch nicht hilft, könnt ihr nach den 30 Tagen wieder genau so essen wie vorher. Und wenn es euch hilft, dann wollt ihr sicherlich selber nicht mehr zurück. Und falls doch, ihr wisst dann wenigstens, dass es diese Option gibt und dass sie euch helfen kann.

PS: Falls ihr noch nicht so viel über AIP wisst, es ist eine Eliminationsdiät, bei der nach und nach eine Vielzahl von Lebensmitteln wieder eingeführt werden kann. Gluten und Soja sind die einzigen Sachen, die für immer weggelassen werden sollten.

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